SHO

Sliding humeral Osteotomie (SHO)

Die TPLO des Ellenbogens

Es ist in den letzten Jahren viel passiert in Bezug auf das Verständnis und das Wissen um die Ellbogenerkrankungen. Während früher die Ellbogendysplasie als enchondrale Ossifikationsstörung klassifiziert wurde, in die alle Erkrankungen eingeteilt wurden, ist die Sicht heute viel differenzierter.

Heute wird der FCP, der allgemein mit der Ellbogendysplasie (ED) gleichgesetzt wird, in zahlreiche Untergruppen aufgeteilt - je nach vorliegender Ätiologie. Während man bis vor einigen Jahren die Entstehung des FCP als bekannt ansah, gilt die Erkrankung mit ihren zahlreichen Varianten heute als ursächlich weitgehend unverstanden, obwohl man inzwischen viel mehr über diese Erkrankung weiß.

Im Zuge des besseren Verständnisses der Erkrankung wurde in den letzten Jahren eine neue, eigenständige Erkrankung beschrieben, die früher dem FCP und seiner Entstehung zugeordnet wurde: Das „Mediale Compartmentsyndrom“, das häufig mit dem FCP auftritt, jedoch keinen ätiopathologischen Zusammenhang mit diesem besitzt.

Abb. 1: (von Noel Fitzpatrick): Sicht auf den medialen Humeruscondylus. Der offen liegende Knochen ist an der dunkelrosa Farbe und der Rauheit gut zu erkennen. Im Hintergrund ist normaler Knorpel sichtbar, der den mittleren und äußeren Anteil des Oberarmknochens im Ellbogengelenk bedeckt.

Beim „Medialen Compartmentsyndrom“ handelt es sich um eine Überlastung des inneren Gelenksanteils des Ellbogens, die zum Abrieb und letztlich zum vollständigen Verlust der Knorpelschicht des inneren Anteils des Oberarmknorpels und der korrespondierenden Elle (= Coronoid) führt. Bisher hat man diese Läsionen als „Kissing Lesion“ bezeichnet, weil man davon ausging, dass durch das Reiben eines isolierten Fragments des Coronoids der Knorpelschaden entsteht. Heute weiß man, dass diese Knorpelschäden durch eine Fehlhaltung der Vordergliedmaßen entstehen, die zur Drucknekrose führt. Durch das aufeinander Reiben von Oberarm und Elle ohne zwischenliegende Knorpelschicht kommt es zu massiver Irritation des Gelenks, die zu Schmerzen und Arthrosen führt. Daraus resultiert letztlich eine dauerhafte und zunehmende Lahmheit des Hundes.

Dieser Knorpelabrieb der inneren Gelenksanteile ließ sich bislang nur mit Schmerzmitteln und Physiotherapie und im Endstadium mit einer Versteifung oder dem Einsatz eines künstlichen Ellbogengelenks beheben. Bei konservativer Therapie mit Schmerzmitteln und Physiotherapie ließ sich jedoch meist nur ein zeitweiser Erfolg erreichen. Die Versteifung oder das künstliche Ellbogengelenk bringen beide schlechte klinische Ergebnisse, da die Tiere in beiden Fällen einen stark veränderten Bewegungsablauf zeigen.

Heute besteht mit der „Sliding Humeral Osteotomy“ (SHO) eine Operationstechnik, die für Patienten mit weit fortgeschrittenen Schäden am Ellbogengelenk entwickelt wurde. Die SHO ist einem Operationsverfahren beim Menschen nachempfunden, bei dem der stark geschädigte innere Kniegelenksanteil entlastet wird.

Abb.2: (nach Noel Fitzpatrick): Auf der Innenseite des Oberarms wird eine patentierte Platte angebracht, die einen zentralen Knick hat. Nach Fixation der Platte wird der Oberarmknochen durchtrennt und der Knochen endgültig an der Platte fixiert. Über ca. 12 Wochen verheilt der Knochen üblicherweise wieder.

Seit 2005 wird die SHO beim Hund angewandt und technisch verbessert, so dass seit 2007 die ausgereifte 3 Generation von Implantaten zur Verfügung steht und seit 2009 die Technik soweit verbessert werden konnte, dass die Komplikationsquote auf 4 % der behandelten Tiere gesenkt wurde.

Man spricht beim „Medialen Compartmentsyndrom“ auch vom Humero-Ulnaren Konflikt, was bedeutet, dass die Elle und der Oberarm schlecht zueinander stehen. Die Gliedmaßenachse und damit die Belastung verläuft beim Compartmentsyndrom nicht im Knochen, sondern innen am Knochen vorbei. Durch diese Verschiebung der Belastung wird der innen liegende Gelenkknorpel übermäßig belastet und stirbt mit der Zeit ab.

Abb.3: (nach Noel Fitzpatrick): Der rote Pfeil symbolisiert die Belastung, die auf der Innenseite des Knochens zum Ellbogen geleitet wird und dadurch den inneren Anteil des Ellbogengelenks massiv überlastet. Der grüne Pfeil symbolisiert die Kraft nach der Korrektur. Die Belastung wird auf den gesunden und widerstandsfähigeren äußeren Gelenkanteil verschoben, die kaputte Innenseite wird entlastet und kann sich erholen.

Durch eine Korrektur der Belastungsachse wird die Kraft wieder in den Knochen und auf den äußeren Ellbogengelenkanteil verschoben, so dass der innere Gelenksanteil entlastet wird. Durch diese Entlastung kommt es bei den meisten Hunden zu einer starken Verbesserung der Lahmheit, die im Gegensatz zu anderen Methoden, wie der subtotalen Coronoidektomie, im Allgemeinen dauerhaft ist.

Durch arthroskopische Kontrollen wurde nachgewiesen, dass am inneren Gelenksanteil des Oberarms neuer und gesunder Knorpel entsteht, so dass die Reibung und damit die Reizung des Gelenks wieder weitgehend normalisiert wird.

Die SHO wird neben der Behandlung beim „Medialen Compartmentsyndrom“ inzwischen auch bei der Behandlung der großflächigen OCD angewandt Um die Heilung zu beschleunigen, setzen wir seit 2013 zusätzliche Wachstumsfaktoren ein, die die Heilungsdauer etwa halbieren.

Abb. 4: (nach Noel Fitzpatrick): Zustand nach Operation und Ausheilung nach 12 Wochen.

Bei der Sliding Humeral Osteotomie (SHO) handelt es sich wie bei der TPLO oder TTA am Kniegelenk um eine modifizierende Osteotomie.

Die SHO kann damit als die TPLO des Vorderbeins gesehen werden. Sie entspricht den modernen, biomechanischen Operationsverfahren am Kniegelenk, die heute als Standard gelten.

Ähnlich wie bei der TPLO/ TTA ist die Toleranz der OP sehr gut. Die Hunde belasten im Allgemeinen nach 10 Tagen wieder so gut wie vor dem Eingriff.

Die „Sliding Humeral Osteotomie“ ist ein patentiertes Verfahren, das nur nach entsprechenden Kursen angewendet werden darf. Wir sind seit 2010 für dieses Verfahren zugelassen.

Dr. Oliver Lautersack

Dr. Oliver Lautersack

Dr. Oliver Lautersack ist Fachtierarzt für Kleintierchirurgie.

Das Team der tierärztlichen Klinik hat immer ein Ziel: die optimale Behandlung tierischer Patienten.
Immer für Sie da: Notdienst

Immer für Sie da: Notdienst

365 Tage rund um die Uhr sind wir für Ihre Tiere da. Im Notfall können Sie sofort zu uns kommen. Wenn möglich, rufen Sie uns direkt an, so können wir uns optimal auf die Versorgung Ihres Tiers vorbereiten.