Ohrentzündung

Die chronische Ohrentzündung

Möglichkeiten der Behandlung

Das Ohr von Hund und Katze ist in ein äußeres und inneres Ohr unterteilt. Der äußere Gehörgang hat bei unseren Haustieren eine um etwa 90° geknickte Form, so dass der tiefe Anteil des Gehörgangs beim Säubern nur schwer zu erreichen ist (Abbildung 1 und 2). Das innere Ohr ist in das Mittelohr und das Innenohr unterteilt. Beide liegen in der sogenannten „Bulla", einer knöchernen Blase, die hinter den Kieferästen liegt und die empfindlichen Organe schützt. Bei längerer Entzündung des Mittelohrs treten knöcherne Veränderungen der Bulla auf, die röntgenologisch nachgewiesen werden können.

Hunderassen mit langem Behang, aber auch viele Katzen neigen zur chronischen Ohrentzündung. In allen Fällen beginnt die Ohrentzündung unscheinbar und harmlos. Durch die lokale Entzündung wird die Immunabwehr des Ohres geschädigt, so dass sich das Tier nicht mehr ausreichend gegen die verschiedenen Keime zur Wehr setzen kann. Gleichzeitig steigt die Temperatur im Gehörgang, so dass sich das Klima für Bakterienvermehrung und Pilzwachstum verbessert. Die Schleimhaut des Ohres reagiert auf den Reiz mit zunehmender Produktion von Ohrenschmalz, der als Nährboden das Keimwachstum ebenfalls begünstigt. Im typischen, chronischen Fall kann man bei betroffenen Tieren verschiedene Hautbakterien (Streptokokken, Staphylokokken, Pseudomonaden, etc) und Pilze (Malassezien) nachweisen.

Es ist wichtig zu erkennen, dass die Ohrentzündung Ihres Tieres keine lästige Erscheinung, sondern eine sehr schmerzhafte Erkrankung ist. In vielen Fällen kommt es zu einer Beteiligung des Mittelohrs, deren Schmerzhaftigkeit der Mittelohrentzündung des Menschen vergleichbar ist. Die Behandlung muss deshalb konsequent und mit dem Ziel der Heilung durchgeführt werden.

Durch die lokalen Entzündungsvorgänge ist das Ohr nicht mehr in der Lage, die Infektion unter Kontrolle zu bekommen. Dies muss durch konsequente (und langwierige) Therapie durch Ohrreiniger und Ohrtherapeutika erfolgen, wobei die Behandlung möglichst früh einsetzen sollte.

Durch den Ohrreiniger wird zu Beginn der Ohrenschmalz von der Schleimhaut gelöst, um den eigentlichen Ohrmedikamenten den Kontakt mit dem infizierten Gehörgang zu ermöglichen. Danach werden Tropfen eingebracht, die in der Regel ein oder mehrere Antibiotika, Pilzmittel sowie Kortison enthalten. Die Behandlung muss jeweils 1 mal täglich über mindestens 4 bis 6 Wochen, bei Infektion mit Malassezien (Pilzen) über mindestens 8 Wochen erfolgen.

Erkennt man nach anfänglicher Behandlung, dass eine Besserung ausbleibt oder ist der Gehörgang so stark verschmutzt, dass eine Reinigung auf dem oben beschriebenen Weg aussichtslos erscheint, kann eine Ohrspülung in Narkose erfolgen. Dabei wird der äußere Gehörgang mit einem Schleimhautdesinfektionsmittel mechanisch gereinigt. Danach kann die medikamentelle Therapie mit einer besseren Ausgangslage fortgeführt werden.

Wurde die Therapie verschleppt oder sprach sie nicht an, entstehen im Ohr polypenartige Wucherungen, die durch konservative Therapie kaum noch zu beheben sind (Abbildung 3 und 4). Die entzündlichen Veränderungen schreiten nun um so schneller voran, je enger der Gehörgang durch die Polypen wird. In diesen Fällen leidet das Tier an starken Schmerzen, die man meist jedoch nur an „Kopfscheue" erkennt, da sich die Tiere an den dauerhaften Zustand gewöhnen.

Eine Therapie ist in diesen Fällen nur noch durch umfassende Entfernung des entzündeten Gewebes möglich. Bei der sogenannten „Ablation und Bullaosteotomie" wird der Gehörgang vollständig entfernt und das infizierte Mittelohr eröffnet. Dadurch heilt die Entzündung innerhalb einer Woche vollständig aus und führt zu keinen Problemen mehr. Die Schmerzen sind beendet und die zuvor ohne Erfolg durchgeführte und das Tier belastende Ohrbehandlung kann beendet werden (Abbildung 5 und 6).

Das Tier hört nach der Entfernung des Gehörgangs das gleiche, das Sie hören, wenn Sie sich die Ohren zuhalten: den sogenannten Knochenschall. In fast allen Fällen konnten die betroffenen Tiere jedoch durch die Verlegung des äußeren Gehörgangs mit Eiter bereits vor der Operation nicht mehr hören als danach.

FÜR FRAGEN steht Ihnen das Team der Tierärztlichen Klinik für Chirurgie in Ettlingen gerne zur Verfügung.

Abb. 1: Das gesunde Ohr des Hundes. Das äußere Ohr ist nur im anfänglichen vertikalen Gehörgang gut einseh- und behandelbar. Der horizontale Anteil sollte nur durch den Tierarzt gereinigt werden.

Abb. 2: Das kranke Ohr. Der äußere Gehörgang ist geschwollen, der Eiter in der Tiefe kann nicht mehr abfließen. Nach längerer Krankheitsdauer geht die Entzündung des äußeren Ohres in eine Mittelohrentzündung über.

Abb. 3: Hund in Narkose: Sichtbar sind die starken Gehörgangswucherungen, die den Gang vollständig verlegen und die chronische Entzündung aufrecht erhalten. Eine konservative Therapie mit Ohrmedikamenten wird zu keiner Heilung mehr führen.

Abb. 4: Der selbe Hund wie in Abb. 3: Vergrößerun

Abb. 5: Zustand des Ohres nach der Operation. Die Vereiterung wird durch eine Drainage behandelt. Bereits während dieser Zeit verspürt das Tier keine Schmerzen mehr. Das Ohr nach der Entfernung der Drainage.

Abb. 6: Das Ohr nach der Entfernung der Drainage. Nach etwa 1 Woche ist die Wunde verheilt.

Pia Rademacher

Pia Rademacher

Im Bereich Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen ist Pia Rademacher leitende Tierärztin.

Das Team der tierärztlichen Klinik hat immer ein Ziel: die bestmögliche Behandlung tierischer Patienten.
Immer für Sie da: Notdienst

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